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Mein System, Dr. med. Gustav Jaeger, 1885, W. Kohlhammer Verlag, 170 Seiten

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung S. 1

I. Teil. Historisches

·         Der Werth der Körperbewegung für die  Gesundheit.
·         Etwas über Krankheitsursachen
·         Meine neueste Entdeckung
·         Das Farbstoffregime
·         Die Kamelwolle

II. Teil. Naturwissenschaftliches.

·         Krankheit und Gesundheit
·         Gasaufsaugung und –Aushauchung
·         Die Ausdünstung des Körpers
·         Die Luftverderbnis
·         Erkältung und Erkältlichkeit
·         Ansteckung
·         Der Gesundheitsstoff
·         Mein Würzburger Vortrag
·         Die Verdünnungsfrage
·         Der Heilungsvorgang
·         Die ableitenden Heilmethoden
·         Die arzneilichen Heilmethoden
·         Sonstige Heilmethoden
·         Woll- und Anthropinkur

III. Teil. Praktisches.

·         Wie geht man in die Wolle?
·         Fußbekleidung
·         Die Beinbekleidung
·         Unterkleidung
·         Der Rock
·         Weste und Überrock
·         Lendengürtung
·         Kragen, Manschetten und Handschuhe
·         Kopfbedeckung
·         Schmuck der Kleidung
·         Frauen- und Kinderkleidung
·         Reinigung der Wollkleidung
·         Das Bett
·         Die Hautpflege der Wollenen
·         Hygiene von Mutter und Kind
·         Die Zimmerluft
·         Essen und Trinken
·         Die Erholung

 

Leseprobe

 

S. 5/6

... Mangel an ausgiebiger körperlicher Bewegung erzeugt nun – bei dem einen rascher, bei dem anderen langsamer – sowohl Veränderungen in den chemischen Mischungsverhältnissen als in der physikalischen Beschaffenheit der Substanz des Körpers, die wir im einzelnen betrachten müssen.

Voraus stelle ich die Zunahme des Fettgehaltes, die mit sitzender Lebensweise fast immer eintritt, wenn die Ernährung eine gute ist. Die nachteiligen Wirkungen der Fettansammlung sind folgende:

 

Durch genaue Versuche ist festgestellt, dass fette Leute erheblich weniger Blut haben als magere und es ist deshalb ganz falsch, wenn man mit der für Fette landläufigen Bezeichnung „vollsäftig“ die Vorstellung von „vollblütig“ verbindet, sie sind im Gegenteil „blutarm“ und das ist bereits eine wirkliche Krankheit, die sich fortwährend in einer Reihe von kleineren Störungen des Allgemeinbefindens äußert, und es gibt mehrere Krankheiten, von denen Fette leichter befallen werden und denen sie leichter erliegen als Magere, nämlich alle die, bei welchen die Menge des Blutes entscheidend ist. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ist bekannt, dass blutarme Leute weniger leisten als blutreiche, weil die Leistungsfähigkeit eines Organs von der Stärke seiner Durchblutung abhängt.

 

Ein anderer Nachteil des Fettwerdens ist, dass das Fett raumbeengend für den Blutumlauf und die Atmung wirkt. Der erste Übelstand äußert sich in  einer unrichtigen Verteilung des Blutes im Körper, die zwar im Zustand völliger Ruhe weniger deutlich ist, allein sofort zur Erscheinung kommt, wenn der Blutumlauf beschleunigt wird; dann zeigt das rasche Rotwerden des Gesichtes, dass ein übermäßiger Blutandrang gegen den Kopf besteht, der Eingenommensein des Kopfes, Schwindel, Schläfrigkeit und zuletzt Schlaganfälle hervorrufen kann. Die andere Unregelmäßigkeit in der Blutverteilung beruht darauf, dass die Rückkehr aus den unteren Körperteilen zum Herzen durch die Raumbeengung in der Bauchhöhle erschwert ist. Dies erzeugt das Gefühl von Schwere und Müdigkeit in den Beinen, bedingt Neigung zur Krampfaderbildung und bei eintretenden Störungen im Kreislauf des Wassers wassersüchtiges Anschwellen der Beine ....

 

S. 13

... Überblicken wir nun alle die bisher geschilderten nachteiligen Folgen ungenügender Körperbewegung, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass sie so ziemlich dieselben sind, welche man gemeiniglich als die unangenehmen Folgen zunehmenden Alters ansieht. Die gewöhnliche Anschauung dieser Übelstände als Folgen des Alters ist nun total falsch und deshalb so gefährlich, weil man sie für so unvermeidlich hält wie das Alter selbst, und sich nicht dagegen wehrt. Um zu zeigen, dass diese Übelstände keineswegs unvermeidlich sind, dass sie vielmehr Folgen einer verkehrten Lebensweise in Bezug auf Körperbewegung sind, will ich zeigen, wie die Körperbewegung denselben entgegenwirkt ...

 

S. 85

... Gehen wir nun zu den Farben, so ist schon die bei der Wahl der Kleiderfarbe unbewusst ausgeübte Mannigfaltigkeit des „Geschmacks“ ein hinreichender Fingerzeig, dass nicht alle Farben auf alle Menschen gleich wirken. Allerdings, weil unsere Gelehrten nicht mehr wissen, was Instinkt und Gefühl ist, glaubt man, hierbei sei nur das Auge beteiligt. Dass dem aber nicht so ist, beweist schon das Missbehagen, oder wenigstens verminderte Wohlbehagen, das die meisten Menschen in schwarzen Kleidern befällt, und dann die namentlich seit Gebrauch der Anilinfarben stets von Zeit zu Zeit auftauchenden Fälle von heftigen Vergiftungen durch die Farbe von Kleidungsstücken ...

 

S. 155/156

... Nachdem uns das vorige Kapitel eine gewisse Aufklärung über die Spezifität und individuelle Gegenartigkeit der Wirkung des Anthropins gebracht hat, soll in diesem Kapitel die Verdünnungsfrage besprochen werden. Sie interessiert uns aus zwei Gründen, einmal weil wir sahen, dass Gesundheit gleichsam ein Verdünnungsvorgang ist und weil nur verdünnte Stoffe heilend und gesundend auf uns wirken können. Eine Aufklärung ist hier um so mehr notwendig, als das Verdünnungsprinzip der Homöopathen für Narrheit und wissenschaftliche Ketzerei erklärt wird. Die folgende Auseinandersetzung, die in etwas kürzerer Form in Nr. 1 meines Monatsblattes Jahrgang 1885 abgedruckt war, wird dem Leser unschwer beweisen, dass die Richtigkeit des Verdünnungsprinzips eine einfache logische Folgerung aus dem ist, was nicht bloß die Physik, sondern auch die tägliche Praxis lehrt. Die Auseinandersetzung ist folgendermaßen:

Stoff und Kraft. Ein Leser des Monatsblattes schreibt mir: „ Was die Anthropin- oder Haarpillen anlangt, so gehöre ich zu den Ungläubigen, bis ich die Erfahrung an mir selbst gemacht habe. Dieser Unglaube hängt im Wesentlichen mit dem Nichtverständnis des Satzes zusammen, dass die Wirkung eines Stoffes mit dessen Verdünnung wachsen könne.“

Diese Bemerkung trifft den wundesten Punkt der ländläufigen Anschauung über Stoffwirkung, die durch die Einseitigkeit der Entwicklung unserer Naturwissenschaften in Kurs gesetzt worden sind. Die Hauptschuld dabei trägt die Chemie. Die Chemiker kennen nur eine Sorte der stofflichen Wirkungen, nämlich die Tätigkeit der Stoffe bei der Zersetzung und Verbindung. Diese sind allerdings Massenwirkung d. h. die Wirkung steht in geradem Verhältnis zur Masse. Je mehr brennbarer Stoff verbrannt werden soll, um so mehr Sauerstoff braucht man dazu. Je mehr Kupfervitriol aus Kupfer gebildet werden soll, um so mehr Schwefelsäure ist hierzu erforderlich. Auf diesen unbestreitbaren Tatsachen basiert die ganze chemische Technik und Industrie, und unter dem Druck derselben hat sich nun in die Lehre vom Leben, in die Physiologie, die falsche Anschauung eingeschlichen, der Leib eines lebendigen Geschöpfes, eines Tiers oder einer Pflanze, sei nichts anderes als  eine chemische Retorte, in der sich nur solche chemische Massenwirkungen wie die obigen abwickeln. Das Einschleichen dieser falschen Anschauung war allerdings deshalb möglich, weil der Lebensprozess stets mit solchen chemischen Massenbewegungen verknüpft und ohne dieselben nicht denkbar ist, allein diese für die einzigen zu halten, ist eine sehr grobe Betrachtungsweise und beklagenswerte Kurzsichtigkeit, wie sich aus Folgendem  leicht ergibt.

Neben der Wirkung der Stoffe durch ihre Masse steht die gerade für das Leben wichtigste Wirkung der Stoffe, die durch ihre Bewegung. Leben ist Bewegung. Ruhe ist der Tod. Wenn man das Leben verstehen will, so muss man die Bewegungen der Stoffe kennen, ohne welche die Masse eine todte, eine Moles ist ...


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Diesen Artikel haben wir am Sunday, 21. February 2010 in unseren Katalog aufgenommen.
   
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