Jaeger's Anthropinerklärung 1: (Textauszug)

... Nicht bloß jeder Physiologe und Arzt, sondern jeder denkende Mensch kennt die Tatsache der Vererbung, d.h. die Tatsache, dass in dem Ei eines Huhnes jenes Etwas steckt, das aus dem formlosen Dotter ein Hühnchen mit all seinen spezifischen Eigenschaften macht, dass das Gleiche vom Keim jedes Geschöpfes gilt, also auch vom Menschen: Im winzigen Menschenkeim steckt jenes Etwas, das aus ihm nicht bloß einen Menschen überhaupt, sondern einen individuell ganz eigenartigen Menschen macht. Die Physiologie hat dieses von ihr bis jetzt noch nicht gefasste Etwas, die Gestaltungskraft, vis formativa, genannt. Ich frage nun dreierlei:

  1. ist a priori ein Blödsinn, wenn Jemand sagt: Dieses unleugbar im Ei steckende Etwas stecke auch noch in den Haaren und Federn des fertigen Geschöpfes?
  2. dass dieses Etwas über ganz gewaltige physiologische Kräfte verfügt, beweist sein Walten bei der Eientwicklung. Soll nun dieses Etwas, wenn es wirklich in den Haaren steckt und daraus entnommen werden kann, auf einmal ein physiologisches Nichts werden, wenn man es einem lebenden Geschöpfe einverleibt? Doch gewiss ebenso wenig, als wenn man das Spezifikum einer Arzneipflanze aus der Pflanze abdestilliert und als Arznei verwendet.
  3. kennt die bisherige Physiologie, wie sie in den Handbüchern und auf den Kathedern vorgetragen wird, dieses Etwas, das die Wunder der Vererbung hervorbringt? Jeder ehrliche Physiologe und Zoologe wird mit „Nein“ antworten müssen. ... Lesen Sie hier mehr (.pdf)
Jaeger's Anthropinerklärung 2: (Textauszug)

...Neben der Wirkung der Stoffe durch ihre Masse steht die gerade für das Leben wichtigste Wirkung der Stoffe, die durch ihre Bewegung. Leben ist Bewegung. Ruhe ist der Tod. Wenn man das Leben verstehen will, so muss man die Bewegungen der Stoffe kennen, ohne welche die masse eine tote, eine Moles ist.

Es ist eine zwar theoretische, aber mit den Tatsachen sehr gut in Einklang zu bringende allgemein angenommene wissenschaftliche Anschauung, dass alle Stoffe zunächst aus kleinsten gleichartigen Teilen, so genannten Molekülen, zusammengesetzt sind, von denen jedes für sich beweglich ist und deren Bewegungen man die Molekularbewegung nennt. Diese sind nun ziemlich mannigfaltig und finden in allen, auch festen und anscheinend bewegungslosen Körpern statt, wofür uns das „Schaffen“ von Holz und Eisen bei Temperaturveränderungen den besten Beweis liefert. ... Lesen Sie hier mehr (.pdf)

Jaeger's Anthropinerklärung 3: (Textauszug)

...Meine Vermutung, dass die Düfte dabei eine Rolle spielen, wurde sofort bestätigt. Ich fand, dass dem Antagonismus zwischen Lust und Unlust zwei radikal verschiedene Ausdünstungsformen in einem und demselben Individuum entsprechen, ja, dass dies sogar sprichwörtlich bekannt sei: in der Lust erscheint eine relativ angenehme, in der Unlust eine absolut widerwärtige Ausdünstung.

Nun ging ich weiter und fragte mich: Woher kommen diese Düfte? Dass es nicht wieder Zersetzungsprodukte, wie die Fettsäuren seien, war klar; denn wenn jede Rasse, ja jedes Individuum seinen spezifischen Duft hat, wenn der Hund imstande ist, seinen Herrn aus Tausenden von Personen herauszufinden, kann es sich nicht um Stoffe handeln, die in den chemischen Handbüchern stehen. Es konnte kaum zweifelhaft sein, dass die Quelle dieser Düfte im Eiweiß zu suchen sei und dies wurde durch Experimente bestätigt. Wenn Sie irgendeine Speise, Fleisch oder Pflanzenstoffe, kochen oder braten, so entsteht ein wohlriechender Duft, der so intensiv ist, dass, wenn Sie am Hause vorbeigehen, Sie riechen, was drinnen gekocht wird. Sobald Sie aber die Temperatur bei der Zubereitung der Speise über einen gewissen Punkt hinaus steigern, fängt dieselbe Speise zu stinken an, indem sie anbrennt. Also es verfügt jedes organische Wesen über zwei radikal verschieden wirkende Düfte, den Duft der gekochten Speise und den der angebrannten Speise. Einige weitere Eiweißzersetzungsversuche lieferten mir dieselbe Erscheinung. ... Lesen Sie hier mehr (.pdf)